Zufriedenheit... (von Marco Beck)

Marco Beck
fangmeldung@naturebaits.de
27. Nov. 2018

Erfolgreiches Angeln besteht zu meist aus Faktoren wie Zeit, Glück, Erfahrung, Wissen und Vertrauen. Doch dieses Jahr lernte ich einen für mich neuen und für sehr wichtigsten Bestandteil kennen, die Zufriedenheit. In der heutigen Gesellschaft in der es immer schneller, höher, weiter und obendrein besser gehen muss kann man da noch irgendwann zufrieden sein?

(Kaum ist der Fang auf der Matte durstet es mich normalerweise nach dem Nächsten)

Eigentlich kann ich nie genug bekommen. Kaum habe ich einen Fisch auf der Matte, da könnte schon der Nächste beißen! Auch die Befriedigung nach dem Fang eines großen Fisches ließ in den letzten Jahren immer schneller von mit ab. War ich vor 10 Jahre noch völlig „Over the Moon“ nach dem Fang eines 20 Kilo Karpfens, ließ es mit den Jahren langsam ab.

(Es ist wie ein Foto zu machen, irgendwann stumpft man ab und es wird sprichwörtlich Langweilig. Außer man spielt ein bisschen herum und schon kann man sich nicht satt sehen!)

Nach einem eher ruhigen letzten Jahr, aufgrund meiner Vaterschaft stieg ich im März zusammen mit meinem kleinen Tim voll ein. Es lief alles wie am Schnürchen und Schwups war es Mitte 2018 und die Anzahl von gefangen Fischen lag bei einer Stückzahl von 100.

Ich kann es fasst immer noch nicht glauben, wie einfach, effektiv und kurzweilig es ablief. Logischerweise lassen sich solche Zahlen nur erreichen, wenn man viel am Wasser ist und Gewässer mit einem guten Bestand zu Hand hat.

(Für den Herbst hatte ich etwas Spezielles geplant.)

Nachdem ich den August fast nur Freunde am Wasser besuchte und die Zeit beim Baden genoss war es an der Zeit mich an einer „Hass-Liebe“ zu versuchen. Ein Gewässer, welches ich in den letzten Jahren mied oder max. nur 3 bis 5 Nächte im Jahr verbrachte. Ich hatte mir dort vor vielen Jahren die Lust fast verbaut. Seit jeher ließ ich es links liegen. Ein Versuch dort Fuß zu fassen im Jahre 2017 klappte aufgrund eines Missverständnisses ebenfalls nicht.

(Ich wagte es mit einer inneren Zufriedenheit und meinem Kleinen und siehe da der erste ließ nicht lange auf sich warten.)

Ganz ehrlich mir war es egal ob ich das restliche Jahr Blanken sollte. Ich war so Zufrieden und stolz, dass es so gut mit Tim am Wasser klappte. Dennoch setzte ich mir ein kleines Ziel. 3 Fische, am liebsten Spiegler wollte ich noch von September bis Dezember fangen. Das mich recht schnell bei einem Ansitz von 2 Stunden über Tag gleich ein wahrhaftiges Monster besuchte war wie die Kirsche auf der Torte.

(Da ist er in seiner vollen Pracht. Ein Biss ein Fisch – irgendwie merkte ich, dass meine Zeit kommen sollte.)

Ich konnte mein Glück kaum fassen und so machte es mir auch nichts aus, die nächsten Ansitze fast ohne Aktion zu verbringen. Lediglich ein großer Graskarpfen besuchte mich eines Nachts. 2 Wochen, ca. zehn 2 Stundenansitze und 2 Nächte später, war es wieder soweit. Eigentlich war ein gemeinsames Wochenende mit 3 Freunden an einem anderen See geplant.

(In der Herbstzeit steht auch immer unsere „Auf gute Freunde Session“ an)

Doch es lief einfach alles schief. Rene konnte nicht kommen und das Gewässer das wir beangeln wollten war aufgrund von Wassermangel gesperrt worden. Die einzige gemeinsame Karte hatten wir restlichen 3 nur für das von mir ausgesuchte Herbstgewässer. Obendrein war Samstag noch eine Gewässerreinigung angestanden. Hieß also, erst ab Samstag mittags raus und eine Nacht angeln.

(Die Hoffnung stirbt zuletzt – sollte das Motto greifen?)

Hoher Angeldruck und viele Schnüre sprechen an diesem Gewässer gegen einen Anbiss. Wir drei hatten auch noch vor relativ nah beisammen zu sitzen, sonst hätten wir ja auch nicht gemeinsam raus gemusst. Tim schlummerte schon längst im Bus, Chris hatte Paul gerade abgelegt, Kai und ich saßen zusammen.

Da hörten wir einen Bissanzeiger und tatsächlich konnte Chris einen dicken Spiegler fangen. Innerlich schloss ich schon mit der Session ab, denn ein gefangener Fisch bedeutet viel Trubel und die Wahrscheinlichkeit eines Weiteren Anbisses geht fast gegen 0. Egal einfach den Abend genießen in geselliger Runde.

(Doch auch für mich und Kai sprang ein Fisch heraus.)

Am nächsten Morgen hatten wir, man darf es eigentlich nicht sagen, jeder einen Fisch gefangen. So etwas kommt sehr selten vor, zumindest an diesem Gewässer! Ich hatte also einen weiteren Riesen fangen können, der dritte Anbiss und mein zweiter Fuffi. Man war oder besser ist das Krank!

(Abwarten, Puzzeln, Kaffee trinken und genießen)

Die nächsten 4 Wochen brachten keine weitere Aktion. Es war dennoch herrlich, die Zeit zusammen mit Freunden, Bekannten und meinem Sohn am Wasser zu verbringen. Puzzeln, Bücher vorlesen, neue Freundschaften schließen und gut Essen. Es war eine geniale Zeit und mir machte es nichts weiter aus, nur am Wasser zu sein. Die Tage wurden kürzer, die Temperaturen wurden kälter und ich entschloss mich die Ruten tiefer zu legen.

(Gesagt getan und in der ersten Nacht als die Ruten tiefer lagen konnte ich meinen neuen Schuppi PB fangen.)

Die Ruten lagen auf 4,50m und 6,20m. Die Tiefere rannte nachts los. Schnell die Funke auf stumm geschaltet. Anschließend schlich ich leise aus dem Bus um Tim nicht aufzuwecken. Kaum10 Meter entfernt rannte ich den Hügel zu den Ruten runter. Verflixt, die Schnur ging links durch die im Wasser hänge Hecke.

Wathose an und ab zur Befreiungsmission. Ich bekam die Schnur frei, riss mir aber die Wathose beim über die Hecke Klettern auf. Tratsch nass konnte ich einen riesigen Schuppi keschern.

(Ewig lang und 31 Kilo schwer – Zufrieden legt ich mich neben ihn)

Und nun? Klar ich will weiterhin noch mehr, aber zu der Zufriedenheit gesellte sich eine Art Gelassenheit dazu. Gerade vor kurzem kam ich gegen 21 Uhr an den See. „Meine“ Stelle, die ich seit September beangele war besetzt. Früher hätte es mich förmlich auf die Palme getrieben. Klar ist es ärgerlich, des Futters wegen das ich ab und an einbringe.

Des Benzins wegen das ich dorthin verfahre. Der getrübten Hoffnung wegen, da ich nicht auf meinem Vorbereiteten Platz angeln konnte. Der Offenheit wegen, die ich seit September pflege und nichts für mich behielt, egal wem gegenüber. Einzig die Enttäuschung bleibt ein wenig haften…

Autor

Marco Beck

Den Karpfen widmete er seit dem 15. Lebensjahr seine Volle Aufmerksamkeit, davor stellte er allen möglichen Fischarten nach. Durch seine ebenso angelverrückte Verwandtschaft, Vater und Onkel kam er schon im Kindesalter viel herum und bereiste ferne Länder Europas um gezielt Welse oder Karpfen zu beangeln.

Heutzutage verwirklicht er sich mindestens 1x im Jahr einen Trip auf andere Fischarten, doch zum Leidtragen seiner Freundin wird die restliche Zeit fast ausschließlich den Rüsslern gewidmet.

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