Zurück… (von Chris Ackermann)

 

Wieder am Wasser zu sein. Zu fühlen, zu spüren, zu riechen was man in geschlossenen vier Wänden nie zu erfahren bekommt. Es war ein Genuss. Zu lange hatte ich mich dem Wasser abgewandt. Zu lange hatte ich mich in einem tiefen Loch begraben, stets ignorierend was vertraute Menschen einem nahe legen wollten. Ich wollte da unten sein, geplagt vom Schicksal. Nun aber war es Zeit wieder aufzublühen, im Einklang mit der Natur wieder Farbe bekennen.

 

 

 

Die Gewässer um mich herum waren in den Wintern vor ein und zwei Jahren vom Eis verschont geblieben. Diesen Winter passte irgendwie alles. Den eisigen Umständen entsprechend musste ich mich ohnehin anderen Dingen widmen als meiner Passion, dem Angeln...

 

 

 

Das erste Mal hatte ich nahezu die Hälfte an Utensilien zuhause vergessen. Klar. Es war eher eine spontane Entscheidung loszuziehen. Eine Nacht sollte es sein und ich hatte null Plan wo mein ganzer Kram überhaupt steckte. Meinen Einmachtopf in der Garage hatte ich direkt lokalisiert. Es stank wie die Hölle. Da hatte ich im November vergangenen Jahres wohl vergessen dass da noch zwanzig Kilo Partikel auf mich warteten... vergeblich. Die waren nun für die Tonne.

 

Ich schmiss alles in meine Karre (die Taschen wie ich sie vorfand ohne reinzuschauen) und düste im Dunkeln ans Wasser. Wie gesagt hatte ich die Hälfte an Helferlein nicht mit, konnte in dieser ersten Angelnacht im neuen Jahr dennoch zwei Fische fangen. Ne` süße Brasse und einen Stör. Willkommene Abwechslung dachte ich mir, und für diese verpeilte Vorgehensweise definitiv nicht soooo schlecht.

 

 

 

Die zweite Nacht hatte ich meine sieben Sachen parat. Abgesehen von meinem „hundertjährigen Reizhusten“ schien alles perfekt. Petrus peitschte „wilden“ milden Westwind in die flache Zone die ich mir da ausgesucht hatte, die Wassertemperatur lag bei fast 9°C und meine Freunde Marco, dessen Bruder Steffen und Felix wollten auch die Saison einläuten. Gesellige Runde, wenngleich die Jungs sich einige Meter von mir entfernt niederließen, was allerdings schon im Vorfeld fest stand. Wie meist in dieser Jahreszeit hatte ich meine Stelle nicht vorbereitet. Ich schau da lieber was das Wetter macht, und reagiere spontan. Die Umstände waren wie bereits erwähnt auf meiner Seite.

 

 

Ich bestückte die eine Rute mit einem knapp überm Boden schwebenden Poppi in „klein“ und gelb, die andere mit einem 24er Schneemann derselben Farbe. Beide Ruten platzierte ich am Fuße einer ans Flachwasser grenzenden Kante in dreieinhalb / drei Metern Tiefe. Da unten ist das Sediment etwas weicher und für mich und sicherlich auch die Fischlein ein gutes Stück attraktiver als die knüppelharte, sandige Kante.

 

 

 

Eine Hand Dosenmais und ein paar vereinzelte Freshwater -stibitzt von Marco nebenan- kamen auf die Schneemannrute, die Poppirute kam wie zu 99% aller Fälle alleine an die Kante.

 

Gleich zu Beginn fing ich einen kleinen Aland auf die Schneemannrute gefolgt von einem großen Exemplar. Danach war erst einmal Totentanz. Nichts rührte sich. Nur der Wind peitschte unaufhörlich gegen mein Ufer.

 

 

 

Etwas enttäuscht schlug ich gegen sieben in der Früh die Augen auf. Ich hatte jetzt nicht damit gerechnet ne schlaflose Nacht hinzulegen und einen Karpfen nach dem anderen zu landen, aber einer hätte doch...

 

 

 

Nun ja, ich drehte mich wieder zur Seite und döste ein. Kurz vor acht vernahm ich einzelne Pieper, wieder die Schneemannrute. Die Gegenwehr hielt sich in Grenzen, zu meinem Erstaunen lag da aber plötzlich ein schnuckeliger kleiner Spiegler vor mir. Gut dachte ich. Drei Bisse, alle Ufernah, und die Poppirute 80m draußen bringt nichts? Ich platzierte die Poppirute um und angelte die folgenden zwei Stunden auf ein und derselben Stelle. Sie brachte mir zwei weitere Fische, keine Riesen aber ein Grund zur Freude. Ich hab schon länger auf den ersten Fisch einer neuen Saison warten müssen, und dann gleich drei Stück aus dem Nichts. Was will man(n) mehr.

 

 

 

 

Jetzt sitze ich hier, die zweite Nacht des Jahres nur n paar Stunden hinter mir und spüre wieder dieses Feuer. So eine Pause kann einen doch immer wieder motivieren. Das Feuer, die Begierde wieder auflodern lassen. Ich bin gespannt was das neue Jahr so alles mit sich bringt...

 

 

Ich wünsch euch auch einen guten Start, und ne noch bessere Saison...

 

 

Genießt es....

 

Chris

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