Unverhofft kommt oft... (von Benjamin Kessennich)

 

Mein Angelurlaub für dieses Jahr war eigentlich schon für den Oktober, aber vor allem für den November fest eingeplant. Jedoch verkündete mir meine Freundin kurzer Hand, dass sie Mitte September spontan eine Woche mit einer Bekannten in den Süden verreisen würde. Natürlich wusste sie, das ich damit einverstanden war und auch, dass ich die Gelegenheit nutzen und spätestens am Tag ihrer Abreise mit einem voll beladenem Auto die deutsch/französiche Grenze passieren würde.

 

(„Unverhofft kommt oft“, sagt man doch so schön und schon saß ich in Frankreich...)

 

Schnell holte ich aus der letzten Schublade noch ein paar zusätzliche Urlaubstage hervor und ließ Jan in einem kurzen Anruf wissen: „Ich komme vorbei, ich brauche Futter für einen spontanen Trip nach Frankreich!!!“. Reichlich meiner geliebten Fresh Water Boilies sollten es sein. Obendrein noch reichlich Dickenmittel Liquid um die Köder vor Ort nochmals zu verfeinern und die dazugehörigen Weightless Hookbaits in 24 mm.

 

Wenige Tage später stand ich an den Ufern des ersten angepeilten Sees. Unzählige PKWs mit Deutsche, holländischen und belgischen Kennzeichen standen auf dem Parkplatz nahe der Bootsrampe. Ein kurzer Blick durch das Fernglas bestätigte meine Vermutung. Die Karpfenangler zelteten schon in zweiter Reihe, um abzuwarten bis die Plätz wieder frei wurden. Schon verrückt, was manche da machen! Anstatt zu angeln eher abzuwarten um dann den ach so tollen „Top Platz“ zu ergattern. „Nicht mit mir..:“, dachte ich und so ging es weiter zum nächsten Gewässer.

 

(Wo natürliche Nahrung im Überfluss herrscht, setze ich immer auf Naturebaits Boilies...)

 

Am anderen See waren die Topstellen auch schon dicht an dicht besiedelt. Von der Ferne sah es aus, wie Pilze die in einer Kolonie ums Wasser standen. Natürlich war das Ballungsgebiet in Richtung Staumauer gelegen. Schließlich entdeckte ich doch noch einen Freiraum. Gute 200 m der einen Nachtangelzone waren vollkommen verwaist. Wer weiß, vielleicht wurde sie vor meiner Ankunft frei oder gemieden!? Diese 200 Meter sollten nun mir gehören.

 

(Das es die nächsten Tage Dauerregen geben und ich trotz des starken Angeldrucks etwas fangen sollte hätte ich nicht so erwartet...)

 

Es goss in Strömen als ich mich mit dem Echolot auf die Stellensuche begab. Schnell war jedoch klar, dass ich es den Franzosen, die gleich neben mir saßen, gleich machen würde. So wurde auch von mir die einzige vorhandene Kante, in dieser riesigen Badewanne befischen musste. Doch als erstes wollte ich meinen Nachbarn zuschauen, wie sie wohl ihre Ruten ablegen und Füttern würden.

 

Eine Kelle, zwei Kellen, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht. Acht Kellen Boilies kamen ziemlich zentriert auf eine Rute. Die Jungs waren zu viert und die Fische würden erfahrungsgemäß aus ihrer Richtung zu mir geschwommen kommen. Auf eine Futterschlacht wollte ich mich nicht einlassen. Mein Vorgehen war, Klasse anstatt Masse! So kam es dazu, dass ich meine Weightless Hookbaits mit dem Incubator Powder pimpte und eher auf wenig Futter setzte..

 

(Anstatt in Wasser, tunke ich mein Hookbait immer erst in Liquid...)

 

(Bevor ich es in dem Powder wälze...)

 

(Das Resultat sieht nicht nur Überwasser gut aus...)

 

Die vier Einheimischen fingen zusammen pro Nacht max. um die 3 Fische, jedoch ausschließlich kleinere um die 10 Kg. Nach kurzem morgendlichen Plausch meinten sie, momentan würden die Größeren nicht richtig wollen, „Abwarten“ dachte ich mir.

 

(Denn wer Gutes säht, wird Schweres ernten...)

 

So ließ ich mir viel Zeit beim Auslegen der Ruten, da sie länger dort liegen bleiben sollten. Dank der robusten Hookbaits kein Problem. Dieses Vorgehen sollte sich schließlich auszahlen. Nach 48 stündigen Dauerregen kam einer der französischen Angler zu mir rüber und erkundigte sich über meine Ausbeute, da sie mich Drillen gesehen hatten.

 

(Der erste Spiegler der dem umantelten Weighless nicht wiederstehen konnte...)

 

„Zwei Karpfen…“ entgegnete ich, „… beides Enddreißiger…“. Leicht angesäuert trottete er zurück zu den anderen. Am Abend darauf sah ich, wie die Vier ihre Montagen bis zu 30 m an meine Spots heran legten. Ich blieb ganz ruhig und ließ die Jungs einfach mal machen, „am Ende wird sich die Qualität des Futters durchsetzen“, sagte ich zu mir selbst.

 

(Der erste Abend ohne Regen, endlich kam etwas Urlaubsfeeling auf...)

 

(Nicht nur mich freute der Wetterwechsel, auch die Tiere außen rum genossen ein wenig die Sonnenstrahlen...)

 

„Und genau so kam es dann auch. Am gesamten See tat sich in den folgenden 4 Nächten extrem wenig. Die Franzosen fingen insgesamt einen einzigen Fisch und die Holländer auf dem Top Platz, der Staumauer überhaupt nichts. Ich hingegen konnte dank wohlüberlegter Futtertaktik und gut arbeitenden und robusten Baits, bis zur meiner Abreise noch einige Fische um die 18 Kg auf die Matte legen.

 

(Hart erarbeitete Fische freuen mich immer...)

 

(Auch Unterwasser überzeugten meine Köder die Karpfen...)

 

Nun klebe ich wieder am Schreibtisch während draußen die ersten Blätter fallen und die Temperaturen sinken. Ein klar an uns gerichteter Weckruf der Natur: „…geh raus, geh angeln – es wird sich rentieren…“!!!

 

(Leicht verpennt dreinblickend, der Spiegler war mein Wecker kurz vor dem Einpacken...)

 

Also auf Männer´s, lasst uns Angeln gehen, unsere Freunde bekommen so langsam Hunger!!!

 

Dickes Petri, Benni

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