Die unsichtbare Gefahr... (von Peter Kölble)

Ein Rückblick von Peter Kölble aus dem letzten Jahr…

 

(Die Ruhe und Idylle wovon ich geträumt habe, auf den zweiten Blick lässt sie mich erschaudern...)

 

Juni 2015...

„Vor gut 4 Wochen überkam mich der Drang des Abenteurers. Mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, im Kopf überschlugen sich die Gedanken an unberührte Natur, jungfräuliche Fische und das Ungewisse, welches immer die Spannung solch eines Trips zusätzlich in die Höhe treibt. Mein Wochenende war somit verplant und ich fragte meinen ebenfalls Karpfenverrückten Bruder ob er mich begleiten wolle.

 

(Irgendwo im nirgendwo, so wie ich meine Angelei liebe ohne Vorahnung was da kommen möge...)

 

Zwei Tage ging es in Richtung Frankreich, bei mildem Südwestwind der untergehenden Sonne entgegen. Gegen 23 Uhr erreichten wir das Gewässer unserer Begierde. Die Rollen waren verteilt und so dauert nicht lange bis wir gemeinsam unser Camp für die nächsten zwei Tage aufgebaut und die Ruten gelegt waren. Diese Ruhe, diese Dunkelheit, weit und breit kein Zeichen menschlicher Zivilisation. So hatten wir es uns vorgestellt und erträumt. Wir genossen unser Feierabendbier und malten uns aus was hier wohl alles schwimmen würde.

 

(Wir wussten und ahnten nichts von ihnen...)

 

Die Ruhe währte nicht lange, Anton kam unter dem Schirm hervor geschossen, fiepend und sich am Boden reibend. Ich schnappte ihn mir und konnte kaum glauben was ich da sah. Seine Lefzen waren um ein doppeltes der Normalgröße angeschwollen, er sabberte unkontrolliert und seine Augen hatten einen leeren, starren Blick ohne große Reaktionen auf Bewegungen aufzuzeigen. Anton ins Auto und los, das Ziel war ein Bekannter Jäger der nicht allzu weit entfernt wohnte. Dort angekommen, klingelte ich ihn gegen 1 Uhr aus dem Bett, schilderte ihm den Vorfall und lies mich beruhigen. Ist es Morgen nicht besser würden wir gemeinsam zum Tierarzt fahren.

 

Zurück am See suchte ich systematisch den von Blättern bedeckten Waldboden ab. Da ist eine, hier auch einige und hier, was soll ich sagen das Laub war von Millionen Eichenprozessionsspinnerhüllen unterfüttert. Nun war klar was Sache ist. Er muss beim schnüffeln oder Holz kauen eine von ihnen erwischt haben. Wir versuchten uns schlafen zu legen, doch sein Zustand verschlimmerte sich rasant, starker Schüttelfrost, unregelmäßiger Herzschlag, die Schnauze noch dicker, er glühte, hatte Fieber und reagierte kaum noch.

 

(Eichenprozessionsspinnerhüllen im Laub in verschiedenen Phasen der Verrottung...)

 

Es ist Samstag auf Sonntag, mitten in der Nacht. Bei den Tierärzten antwortete lediglich der Anrufbeantworter, Notfallklinik für Tiere, die nächste in Deutschland. Ich packte Anton erneut ein, ließ meinen Bruder zurück und suchte in der nächst größeren Stadt ein Krankenhaus, hier durften sie mir nicht helfen, im nächsten Krankenhaus googelte ein netter Mitarbeiter und telefonierte so lange bis er einen Tierarzt fand welcher in seine Praxis kommen würde.

 

Tausend Dankesworte und schnell weiter. Gegen 5.30 Uhr dann die Erlösung. Anton bekam Kortison gespritzt und ein Päckchen Tabletten gabs für die weitere Woche. Es war schon wieder hell als ich am See eintraf. Hundemüde aber glücklich, denn laut Aussage des Tierarztes hätte es ein kleiner, alter oder schwacher Hund nicht überlebt.

 

Ich legte mich für 3 Stunden aufs Ohr, denn hier würden wir nicht bleiben wollen. Zur Mittagsstunde ertönte dann meine Funkbox, Fisch sitzt, Fisch weg, Vorfach einfach ab. Es lief auch wirklich gar nichts. Knapp eine halbe Stunde später dasselbe Spiel, jedoch hatte sich ein Stöckchen auf die Hakenspitze verirrt. Ich hatte die Schnauze voll und wir beschlossen nach Hause zu fahren. Uns juckte und kribbelte es auch schon am ganzen Körper.

 

(Die Nester welche hoch oben in den Eichen gebaut werden liegen verteilt bis zu Fußballgroßen Klumpen am Boden...)

 

(Selbst wenn nichts mehr da ist, die Haare bleiben noch gefährlich...)

 

Beim Duschen sah ich dann die hundert kleinen, roten Punkte am Körper welche aus Erfahrung heraus von den Raupen stammen. Mein Bruder schickte mir ein paar Stunden später ein Bild welches mir die Sprache verschlug.

 

Die von uns und dem Wind aufgewirbelten Brennhaare des Eichenprozessionsspinners verhaken sich mittels Widerhaken in der Haut. Das Gift welches in ihnen enthalten ist, ist auch noch nach 3-5 Jahren laut Internet aktiv. Trotz langer Kleidung waren die Härchen überall am ganzen Körper in die Haut eingedrungen, das jucken und brennen lässt nach 1-2 Wochen im Normalfall nach. Aber was mein Bruder mir da geschickt hatte war der absolute Albtraum.

 

(Aus einem winzigen roten Punkt entstand dies binnen weniger Minuten. Der Anblick verschlug mir die Sprache...)

 

Am nächsten Morgen stellte der Hautarzt fest das die oberen drei Hautschichten weg waren, selbst jetzt nach 4 Wochen sieht es immer noch schlimm aus, von den Schmerzen die er hat ganz abzusehen. Es wird wohl eine große Narbe zurück bleiben.

 

(Am nächsten Morgen das ganze Ausmaß der Verletzung...)

 

Ich will euch mit diesem Update vor Augen führen was alles passieren kann, ich selbst hätte es mir niemals so schlimm erträumen lassen. Schaut euch genau an wo ihr fischen geht denn die Raupen sind auch in Deutschland weit verbreitet. Meidet die von Raupen befallenen Gegenden und jagt euren Träumen in sicherer Umgebung nach, denn kein Karpfen dieser Welt ist es wert seine Gesundheit aufs Spiel zu setzten.

 

(Am nächsten Morgen das ganze Ausmaß der Verletzung...)

 

(4 Wochen sind vergangen und eine große Narbe wird wohl ein Leben lang an diesen Horrortrip erinnern...)

 

Mein gesamtes Angelzeug ist voller Haare und ich werde meinen Schlafsack, die Liege, den Schirm und ein paar andere Dinge vorerst nicht benutzen können. Es gibt im Internet eine Menge Informationen zu den Eichenprozessionsspinnern und deren Artverwandten. Nehmt euch die Zeit und lest euch den ein oder anderen Text einmal durch, denn nur so weiß man richtig zu reagieren, falls man doch eines Tages mal in Kontakt geraten sollte.

 

(Alte Eichen in Gewässernähe der bevorzugte Lebensraum des Albtraumes...)

 

Auch ich lasse mich von diesem Rückschlag nicht runter ziehen. Auf dem Zähler für 2015 stehen nach mehreren Tausend Kilometern und so manch einem Wochenende bei mir noch immer null Fische, ich scheine die Seuche an den Händen zu haben, doch das Jahr ist noch jung und der Ausdauernde wird eines Tages belohnt...."

 

Schöne Grüße und eine erfolgreiche Saison 2016 wünsche ich euch allen.

 

Peter...

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