Wenn der Schweinehund verliert... (von Mario Winnikes)

(Das ist mein geliebter Schweinehund...)

 

„Uff, geschafft! Es liegt hinter mir, das voraussichtlich letzte Angelwochenende für 2015...

 

Eigentlich habe ich immer Lust, fischen zu gehen. Eigentlich...doch an diesem vorletzten Novemberwochenende habe ich einfach Null Bock, keine Lust, null Motivation, nix zieht mich ans Wasser, nada. Ich will am liebsten zu hause bleiben.

 

Das angenehme Spätsommerwetter der letzten Wochen mit frühlingshaften Temperaturen von über +20 Grad, blauem Himmel und ohne jeden Regen ist leider vorbei. Stattdessen ist es jetzt kalt. Richtig kalt und windig. Und es regnet und stürmt und regnet erneut, dann kam Dauerregen und ab und zu mal Schneeregen usw. und soooo viel Regen...hatte ich das schon erwähnt?

 

(Vor kurzem herrschte noch schönster Altweibersommer...)

 

Doch alles Jammern hilft nichts. Ich muss raus ans Wasser. Ich MUSS ihn besiegen, meinen inneren Schweinehund, der mit ständig ins Ohr flüstert: „Bleib lieber zu Hause, legt dich auf die bequeme Couch, schau TV und nimm ein heißes Bad!“ Nein, ich werde ihn besiegen. Ab Freitagnachmittag ist ein gemeinsames Angeln mit drei guten Freunden geplant, von denen einer nur zweimal pro Jahr zum Angeln auf Karpfen ans Wasser kommt.

 

Seit vielen Wochen haben wir diese Session geplant und zu groß wäre die Enttäuschung meiner guten Freunde, wenn ich absagen würde. Es hilft also nicht, Regenzeug anziehen und bei strömendem Regen Auto packen. Ich bleibe zwar trocken, doch mein gesamtes Tackle wird schon vor dem eigentlichen Angeln nass. Und auch mein Hund, der die ganze Zeit mit seinem Ball mitten auf dem Weg zum Auto sitzt, (damit beide, Hund und Ball, bloß nicht vergessen werden) ist schon vor der Abfaht pudelnass, obwohl es sich um einen Labradormix handelt.

 

Egal, nach 50 Minuten Fahrt im trockenen, warmen Auto kommen wir am See an. Es regnet natürlich, in Strömen. Marco und Adi sind schon mit dem Aufbau beschäftigt und Christian ist noch unterwegs. In Rekordtempo lade ich aus, baue mein Shelter auf und lege meine Ruten aus. Da ich die ganze Woche über keine Lust zum Fischen hatte, habe ich auch nicht vorgefüttert. Die Taktik für dieses Wochenende sieht wie folgt aus: Wenig dafür hochattraktives Futter, hochattraktive Hakenköder und ansonsten sehr viel Spaß mit meinen Freunden genießen.

 

(Schweinewetter, alles war nass...)

 

Am Ufer vor einer kleinen Bucht und auf ca. 80 Meter Entfernung im Freiwasser füttere ich jeweils etwa 500 Gram Dickenmittel Boilies. An der Bucht punktgenau mit dem Groundbaiter, im Freiwasser großflächig mit dem Wurfrohr. Großflächig im Freiwasser deshalb, weil ich die, meiner Meinung nach schon etwas trägen Fische zum Suchen weiterer Dickenmittelleckerlie animieren will. Sie sollen aktiv nach Futter suchen, und dabei hoffentlich meinen Hakenköder finden und einsaugen.

 

Um ihnen das zu erleichtern, fahre ich meine Montage zusammen mit ca. 20 halbierten Boilies mit den Futterboot raus ins Niemandsland. Die Uferrute werfe ich genau auf die angefütterten Boilies. In der Bucht hat sich über die Jahre viel Totholz angesammelt. Ich hoffe, dass sich dort ein paar Karpfen aufhalten und die wenigen Meter aus ihrem Versteck an meinen Futterplatz gelockt werden.

 

(Was die Totholzbucht wohl bringen wird...)

 

Um die Hakenköder noch verlockender zu machen, knete ich etwas Dickenmittel Paste in den Paster. Durch die Löcher kann der Teig seine enorme Lockwirkung entfalten und ist dennoch vor Weißfischattacken geschützt. Dieses Vorgehen benutze ich an beiden Ruten. Jeweils kommt ein Paster und ein 20mm Dickenmittel Boilie aufs Haar, ähnlich einem Schneemann. Könnte man auch den Teigmann nennen.

 

(Der Teigmann in voller Pracht...)

 

Da Adi nicht der schnellste beim Aufbauen ist, helfe ich ihm anschließend dabei. Meine Ruten liegen noch keine 15 Minuten im Wasser, als meine Funkbox zweimal kurz piepst. Das müssen doch die Blässhühner sein, die vor der Bucht nach Boilies tauchen. Aber kurz darauf Dauerton! Das ist definitiv kein Blässhuhn.

 

Ein Schuppie mit knapp über 22 Pfund hat den Teigmann inhaliert und landet nach einem willkommenen Regendrill sicher im Kescher. Spätestens jetzt ist mein innerer Schweinehund definitv besiegt! Ich habe wieder große Lust zu fischen und freue mich richtig auf die kommende Nacht und das vor uns liegende Wochenende.

 

(Die Regenpause war eine sehr willkommene Abwechslung...)

 

Am frühen Abend, es ist schon stockdunkel und regnet immer noch Binddfäden, werden wir wieder belohnt. Erst fange ich einen Spiegler mit 32 Pfund auf die „in middle of nowhere“ Rute und dann kommt es richte dicke für Christian, der wie ich eigentlich ebenfalls überhaupt keinen Bock zum Fischen hatte. Er wird mit einem fetten 43 pfünder Spiegler belohnt, einer der größten Fische im See! Drei Fische noch vor der ersten Nacht. Das gibt doch Hoffnung auf mehr.

 

(Yes, endlich kam die Lust wieder...)

 

Und die Hoffnung bestätigte sich. Gegen 01:00 Uhr fange ich einen schönen 36 Pfund Spiegler und morgens um 7:00 folgte ein 22er Schuppmann. Adi hatte auch einen Biss, nur Marco ist noch ganz blank.

 

(Mein Freund und Rutenbauer Adi konnte auch den ersten verbuchen...)

 

Tagsüber fange ich noch eine Brasse und einen Giebel und leider keinen Karpfen mehr. Aber im Novemberschneeregen über einem offenen Feuer zu grillen ist auch ein tolles Erlebnis und entschädigte. In der zweiten Nacht fängt Christian noch einen schönen Schuppenkarpfen und verliert einen „Guten“, auch Marco kommt zu seinem Fisch.

 

Dieses total verregnete Wochenende zeigt mir mal wieder, dass es sich lohnen kann, den inneren Schweinehund zu erlegen und trotz allen Wiedrigkeiten ans Wasser zu gehen, denn zu Hause vor dem warmen Ofen fängt man keine Karpfen.“

 

(...weil’s fängt...)

 

Mario Winnikes

 

 

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