Verlorenes, Wiedergefundenes und Gefangenes.. (von Chris Ackermann)

(Die Sonne… Tag für Tag verschwindet sie immer früher hinterm Horizont, der Herbst ist da…)

 

Das monotone Geräusch der Autobahn vermischte sich mit dem knatternden Motor von Marcos Dacia. Es war schön ihn endlich mal wieder zu Besuch am Wasser gesehen zu haben, ist er doch sonst immer selbst an irgendeinem Tümpel unterwegs. Es war mittlerweile stock dunkel, der Hammer wie schnell die Zeit vergeht.

 

Einige Stunden zuvor hatte ich noch die Sonne Mallorcas mit meinen Lieben, die Zeit davor jeden Abend im Garten auf der Terrasse gesessen und das ein oder andere Bierchen genossen. Nun saß ich hier am Wasser, kurz nach 21Uhr und die Sonne war verschwunden. Sommer ade sozusagen.

 

( Auch die Vögel spüren dies und suchen wärmere Gefilde auf…)

 

 

Die Stille die mich nachdem Marco nachhause fuhr umgab war irgendwie merkwürdig. Gut, das Geräusch der Autobahn im Hintergrund war noch da, aber irgendetwas fehlte… Und plötzlich wusste ich es. Bootsmann. Wo bitte war Bootsi geblieben…? Ich pfiff, ich rief- keine Reaktion. Die Minuten vergingen, und ich wurde immer nervöser. Wo zum Teufel war mein Hund? Niemals zuvor ist der Schlingel abgehauen! Weshalb auch? Welcher Hund hat schon ein so gutes Leben wie der eines leidenschaftlichen Anglers? Ich rief Marco an ob er denn zufällig Bootsmann eingeladen hatte, was er leider verneinte.

 

(Vor einigen Stunden genoss ich noch die Sonne Mallorcas, ehe es…)

 

(…zurück nach Deutschland ging und ich mich direkt…)

 

Ich war verzweifelt und hatte mittlerweile richtig Angst. Was wenn er Marco nachgelaufen war, Richtung Autobahn? Hatte er meinen Dacia mit dem von Marco verwechselt? Hatte er Angst dass ich ihn wieder zurücklasse wie die Woche zuvor, als ich die Sonne Spaniens genoss und er mit meinen Eltern vorlieb nehmen musste? Panisch ließ ich alles zurück, fuhr alle Wege und Ecken ab, ja sogar bis hin zur Autobahnauffahrt, nichts…. Auch Marco hatte sich wieder eingefunden und sich mit auf die Suche gemacht, vergeblich. Meine Augen wurden feucht, ich hatte schiss, so richtig schiss…

 

(…den bunten Farben im herbstlichen Deutschland wieder fand.)

 

Es war mittlerweile über eine Stunde vergangen als mir plötzlich eine junge Frau in einem weißen VW Golf über den Acker entgegenfuhr. Auf meiner Suche hatte ich auch mehrere Passanten mit Hunden angesprochen, ob sie denn was gesehen hätten, und ihnen gesagt wo sie mich, sollten sie den kleinen Scheißer sehen, finden würden. Sie schien etwas aufgeregt, und als die Worte: „meiner Freundin vors Auto gelaufen“ über ihre Lippen kamen brach in mir eine Welt zusammen.

 

 (Bootsmann zurück in seinem Element, fern ab von der Ausnüchterungszelle, nochmal Glück gehabt!!!)

 

Schlussendlich stellte sich allerdings heraus, dass Bootsmann alles wunderbar überstanden hatte, und die nette Frau meinen Hund ins Auto geladen, und ihn bei der nächsten Polizeidienststelle abgegeben hatte. Was eine Geschichte…

 

Ich sammelte meinen blonden Engel ein. Wie ein begossener Pudel lag er da, vor einem viel zu großen Wassernapf in einer Art Ausnüchterungszelle und blinzelte mich verlegen an…

 

Zurück am Wasser klatschte ich Marco ab, welcher in der Zwischenzeit auf meine sieben Sachen aufgepasst hatte und legte mich, Bootsmann diesmal neben mir, todmüde auf die Liege. Ehe ich mich versah war ich auch schon im Land der Träume versunken. Die letzten Wochen waren geprägt von Schlafmangel, und die Aktion heute Nacht hatte mir den Rest gegeben…

 

(Auch große Schleien lieben sie, die Yellow Lightning.)

 

Die einzelnen Laute vernahm ich erst gar nicht. Erst als Bootsis nasse Schnauze über mein Gesicht fuhr realisierte ich, dass ich einen Biss hatte. Es war die rechte Rute. Die Sinkerrute in sieben Meter Tiefe. Ich hatte mich spontan entschieden hier zu fischen und hatte demnach nicht vorgefüttert. Ein Gefühl der Zufriedenheit machte sich in mir breit. Ich genoss die Gegenwehr meines Gegenübers, welcher zweifelsohne einer der guten Fische in diesem See war. Immer wieder schön wenn mein Bauchgefühl mich die richtige Stelle wählen lässt.

 

(Sie bleibt hier und unterstützt die herbstliche Farbenpracht.)

 

Der Fisch schwamm gemächlich einige Meter nach rechts bis die Bewegung ins Stocken geriet. Der Fisch hatte sich im Unterwasserdschungel fest geschwommen. „Verdammtes Dreckskraut“, glitt es mir von den Lippen. Bootsmann beobachtete mich und seinem Blick konnte ich Mitleid erkennen (natürlich weiß ich nicht was er dachte, hab das aber so für mich entschieden). Alles ziehen brachte nichts, ich musste ins Wasser. Ich entledigte mich meiner Kleider und schwamm dem Fisch entgegen.

 

( Das Christkind ist auch schon fleißig am Backen)

 

Selbst als ich direkt über dem Fisch war gelang es mir nur mit Mühe den Fisch aus dem Kraut zu lösen. Der schuppenlose, goldene Laib war nicht von schlechten Eltern, „könnte `n Fuffi sein“, dachte ich, und machte mich mit dem Fisch im Schlepptau zurück gen Ufer. Ich malte mir schon aus wo ich welche Fotos mache, als der Widerstand nachließ und der Fisch vom Haken erlöst im tiefen Wasser verschwand. Das war also der perfekte Angeltag…? Ich hätte kotzen können. Schon vor Beginn meiner Angelei hatte ich ein ungutes Gefühl der Haken wegen.

 

(Wird wieder Zeit um in den Shorty zu hüpfen, ganz blank macht das bei den fallenden Wassertemperaturen keinen Spaß mehr.)

 

Mein Vorrat an den Eisen meines Vertrauens war aufgebraucht, und so griff ich auf ein Päckchen haken zurück dass ich noch in meiner Garage fand. Viel zu klein für meinen Geschmack, und auch meine geliebten Safetybleie waren nicht aufzufinden. Inlinebleie mussten her, und die verwende ich mittlerweile nur sehr ungern an hindernisreichen Gewässern…

 

(Weightless Hookbaits und leuchtende Poppis, nicht selten im Einsatz bei meinen fünf, sechs Stundensessions.)

 

Den Fisch verloren, aber den Biss an sich verinnerlicht, beschloss ich diese Stelle mit etwas Futter zu versehen. Das Wetter sollte die folgenden Tage konstant bleiben, und da ich nach der nächsten Nachtschicht ein paar Stunden am Start sein konnte schien mir dies die perfekte Lösung. Fische waren hier aktiv, der Biss bestätigte dies, und mit etwas Futter und den konstanten Bedingungen die herrschten konnte ich sie vielleicht auf dieser Stelle halten. Ich verteilte fünf Kilo Bloodworm-Boilies in verschiedenen Größen auf einer recht großen Fläche und machte mich auf den Nachhauseweg…

 

(Aber in manchen Situationen macht gutes Futter in rauen Mengen auch Sinn. Der Wind stand konstant, die Fische hatten gefressen. Da musste Futter rein, klare Sache!)

 

Die Nachtschicht kam, und ich konnte meine Gedanken nicht von meiner gefütterten Stelle lenken. Es fiel mir schwer keine halbe Freischicht zu nehmen. Ich war heiß, und irgendwie wusste ich, war mir ganz sicher, dass da etwas gehen würde, etwas gehen MUSSTE!!!

 

(Die Waffen waren scharf…. Wie ich. Heute musste es klappen.)

 

(An diesem Morgen im Einsatz: Ein Yellow Lightning und ein neutral aussehender Schneemann an den Haken meines Vertauens, gebunden als Kombilink.)

 

Nach Schichtende verzichtete ich aufs Duschen (total eklig, ich weiß), sammelte Bootsmann zuhause ein und fuhr ans Wasser. Wie in Trance warf ich die Ruten auf die noch junge Futterstelle, baute meine sieben Sachen auf und lief eine kleine Runde mit Bolle. Heute würde es klappen… Ich hatte meine Inlinebleie gegen Safetys getauscht, und auch die Haken meines Vertrauens hatten wieder Platz am Ende meiner Rigs gefunden. Die Köder würden den Rest erledigen. Ich fütterte noch zwei Schaufeln Knödel und kuschelte mich ein meinen Schlafsack. Irgendwie hat es doch was Schönes, wenn der Sommer der kühleren Jahreszeit weicht…

 

(Volle Breitseite..)

 

(Und einige Stunden zuvor hatte dieses Fischlein gebissen!)

 

Im Gegensatz zu der letzten Session schlief ich an diesem Morgen eher unruhig. Immer wieder linste ich auf die Uhr, wartete auf den ersehnten Biss. Nichts passierte. War derzeit tatsächlich der Wurm drin? Es war Zeit heim zu gehen, aber ich wollte nicht. Nur ganz langsam packte ich meine Sachen zusammen, ständig unterbrochen von verzweifelten Pausen. Am Ende lagen da dann nur noch die Ruten im Wasser und der Kescher im Schilf. Ruten rein holen? Ne… Ich beschloss die Ruten einzuholen wenn ich mein Auto von dem nahe gelegenen Parkplatz geholt hatte…

 

(

(Zeilerschweinchen, über 22kg schwer, ein herrliches Doppel.)

 

Zurück am Platz traute ich meinen Augen nicht. Die Schnur der linken, mit einem Yellow Lightning bestückten Pop up zeigte scharf nach rechts. Da hatte doch tatsächlich einer gebissen. Natürlich hing auch dieser Fisch wie der beim letzten Mal bombenfest im Krautdschungel fest. Ich überlegte nicht lange, warf meine Kleidung zu Boden und zog meine Flossen an. Ich paddelte samt Rute dem Fisch entgegen. Auch diesmal musste ich recht fest ziehen um die Fisch vom Kraut zu befreien. Der Fisch fühlte sich definitiv gut an. Diesmal musste der Haken halten, komme was wolle.

 

(Auch im Frühjahr kamen die Yellow Lightning und die Weightlesshookers zum Einsatz.)

 

Vorsichtig schwamm ich zurück, und dirigierte den Guten Richtung Kescher. Ich erkannte das spitze Maul, die langen Brustflossen und wusste dass ich da gerade einen der großen Spiegler den über Kescher führte. Mit seinen stolzen 24,2kg ein bisschen graziler als zur Laichzeit. Damals brachte er über 25kg auf die Waage und hatte einen seiner Freunde gleich mit auf die Matte gebracht. Für heute war dieser eine Fisch aber für mein Ego und das Vertrauen in mein Handeln definitiv die richtige Lösung. Ich war happy…

 

(Immer schön am Vorbereiten…)

 

 (Kurz zwischengelagert und nach Ausrichten…)

 

Zurück am Platz traute ich meinen Augen nicht. Die Schnur der linken, mit einem Yellow Lightning bestückten Pop up zeigte scharf nach rechts. Da hatte doch tatsächlich einer gebissen. Natürlich hing auch dieser Fisch wie der beim letzten Mal bombenfest im Krautdschungel fest. Ich überlegte nicht lange, warf meine Kleidung zu Boden und zog meine Flossen an. Ich paddelte samt Rute dem Fisch entgegen. Auch diesmal musste ich recht fest ziehen um die Fisch vom Kraut zu befreien. Der Fisch fühlte sich definitiv gut an. Diesmal musste der Haken halten, komme was wolle.

 

(…der Cam direkt per Selbstauslöser geknipst.)

 

Vorsichtig schwamm ich zurück, und dirigierte den Guten Richtung Kescher. Ich erkannte das spitze Maul, die langen Brustflossen und wusste dass ich da gerade einen der großen Spiegler den über Kescher führte. Mit seinen stolzen 24,2kg ein bisschen graziler als zur Laichzeit. Damals brachte er über 25kg auf die Waage und hatte einen seiner Freunde gleich mit auf die Matte gebracht. Für heute war dieser eine Fisch aber für mein Ego und das Vertrauen in mein Handeln definitiv die richtige Lösung. Ich war happy…

 

(Mittlerweile haben wir Anfang Oktober, seit geraumer Zeit habe ich eine vielversprechende Stelle unter Futter. Ich bin gespannt was diese Entscheidung in den Kescher schwimmen lässt…)

 

Mittlerweile haben wir Anfang Oktober, seit geraumer Zeit habe ich eine vielversprechende Stelle unter Futter. Ich bin gespannt was diese Entscheidung in den Kescher schwimmen lässt…

Auf einen erfolgreichen Herbst,

 

Chris Ackermann  

 

 

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