Mein goldener Oktober (von Thomas Ilg)

(Was hat mich dieser See schon Nerven gekostet)

Es kommt mir vor als wäre es erst gestern gewesen, der Start der neuen Saison, doch der Blick auf den Kalender zeigt, dass das Jahr schon fast wieder vorüber ist. Viel zu selten hatte mich dieses Jahr mein so geliebtes Vereinsgewässer gesehen, welches Himmel und Hölle zugleich ist. Der goldene Oktober wird’s schon richten, wann wäre wohl eine bessere Zeit für es?

 

Die Plan war geschmiedet, genügend Futter für eine lange Futterkampagne und die nötige Unterstützung von Zuhause war zugesichert. Übrig blieben nur zwei Probleme. Erstens schließt das Gewässer bereits am 1. November und zweitens besteht ein Nachtangelverbot. Ich startete bereits in der letzten Septemberwoche mit meinem Projekt, denn die Zeit drängte und das große Fressen stand mit dem Herbst vor der Tür. Ich wollte ich alles, nur nicht mit dem Futter geizen. Zweimal die Woche flogen also um die 15 Kilo Partikel, ein paar Pellets und nur eine Handvoll Boilies ins Wasser.

 

(Gutes Futter ist Pflicht bei langen Futterkanpagnen )

(Naturebaits: Klasse statt Masse!)

Die erste Oktoberwoche war fast vorbei und ich fand mich zur ersten Test Session ein. Die ersten Bisse ließen nicht lange auf sich warten. Ich wollte den Platz nicht überstrapazieren, demnach hieß es nach einer Nacht Tackle zurück ins Auto und weiter Füttern, um das gewonnene Vertrauen der Fische nicht gleich wieder zu verlieren. Um die größeren Jungs auf den Plan zu rufen, änderte ich die Zusammensetzung meines Futters. Aus den Anfangs 15 Kilo Partikeln wurden nun mehr 5 Kilo, auf Pellets verzichtete ich nun ganz und aus der Handvoll Boilies wurden 2 Kilo alle zwei Tage.

 

Samstagmorgen, 4 Uhr in Bayern: Die Augen noch schwer, doch voller Motivation fanden wir uns am Hausgewässer ein. Mein Kumpel Basti war bereits da und wartete an seinem Auto auf mich, das Tackle geschultert und ab durch die Botanik zum Platz. Die Fische machten schnell klar, dass sie aktiv sind, doch nur mit dem Beißen war das so eine Sache. Gegen Mittag rettete Basti unsere Ehre und fing den wohl kleinsten Karpfen, den ich bisher in diesem See landen konnte, aber Fisch ist Fisch!

 

Ohne einen weiteren Biss brachen wir die Session frühzeitig ab, ohne große Worte und ohne etwas nachzufüttern verabschiedeten wir uns von einander und fuhren um 24 Uhr nach Hause.

 

(Der kleinste Karpfen, den wir hier je gesehen haben...)

 

Noch immer genervt von der verpatzten zweiten Session ging es Sonntags für mich wieder ans Wasser. Bei strahlendem Sonnenschein inspizierte ich die umliegenden Büsche und überhängenden Bäume etwas näher. Nach einiger Zeit suchen fand ich meine beschuppten Freunde schließlich doch noch und machte eine Interessante Entdeckung: Direkt neben meinem bisherigen Angelplatz, unter einem kleinen überhängenden Baum, fand ich ein kleines freigefressenes Feld, kaum größer als einen Meter.

 

Schnell wurde mir klar, dass jetzt aufgeben keine Option für mich war, also teilte ich Basti mein neues Vorhaben mit. Nach ausführlichem Besprechen der Situation, war klar, dass jeder wieder sein eigenes Ding machte, lediglich beim Füttern wechselten wir uns ab oder fuhren gemeinsam. Basti zog es zu der von mir lange befischten Sandbank in der Mitte des Sees.

 

Ich hingegen blieb stur wie ein Esel auf dem bisherigen Platz sitzen. Die Futtermenge reduzierte ich rapide. Das hieß: Nur nur noch 2 Kilo Partikel und 500g BloodyLiver Boilies alle 2 Tage. Eine kleine Handvoll Futter, bestehend aus 6 Boilies und ein paar Tiegernüssen, wanderte extra unter den überhängenden Baum.

 

(Eine Handvoll Vertrauen)

 

Es dauerte nicht allzu lange bis es mich wieder in den Fingern juckte. Da ich eh Füttern wollte verband ich das Ganze mit einer zweistündigen Session, in der ich zwar keinen Riesen fangen konnte, aber hübsch war er allemal.

 

(Größe ist nicht alles…)

 

Die letzten zwei Wochen waren angebrochen, die Zeit wurde immer knapper und genau jetzt musste ich meinem Kumpel das Füttern aufs Auge drücken, da ich mir eine fiese Grippe eingefangen hatte. Natürlich ließ er mich nicht hängen, wofür ich ihm immer noch dankbar bin. Eingepackt wie im tiefsten Winter ging es Freitagnachmittag wieder an den See, um erneut das Glück heraus zu fordern und endlich einen der Dicken zu fangen.

 

Die ersten drei Stunden passierte nichts. Kaum rückte die Dämmerung näher glitt der erste größere Fisch in die Maschen, dann ging es Schlag auf Schlag, den ersten Fisch im Sling verstaut, pfiff meine Funkbox erneut. Als auch der zweite Fisch über den Kescherrand bugsiert war, lief die zweite Rute erneut ab und endlich hatte ich einen der Größeren.

 

(Na immerhin schon mal einer der Zielfische)

 

Den Rest des Abends passierte nichts mehr. Der Wecker ertönte und es war an der Zeit die Ruten aus dem Wasser zu holen und auf den nächsten Morgen zu warten. Der nächste Morgen verlief wieder ruhig,. Es war noch nicht ganz Mittag und ich hielt den nächsten großen Burschen in den Händen und was für einen!

 

(Eine weitere Schönheit auf der Habenseite)

 

(Eine weitere Entschädigung für den Aufwand )

 

Ich Fütterte also weiter und wartete auf schlechter werdendes Wetter, da die ganz Großen noch nicht unter den gefangen Fischen waren. Kurze Zeit später war es soweit, die Temperaturen schossen das erste Mal in den Keller. Ich roch meine letzte Chance doch noch einen der ganz Dicken zu fangen und setzte alles auf eine Karte: Ich wechselte erneut die Futtermenge auf vier Kilo Boilies, für Partikel war jetzt kein Platz mehr.

 

Mittwoch erreichte mich nach der Arbeit die Nachricht von Basti, er habe eine echte Schönheit gefangen, ob ich nicht Zeit hätte ihm diesen abzulichten. Zuhause angekommen packte ich schnell mein Wurfrohr und einen meiner noch vollen Eimer ins Auto und fuhr zu meinem Kumpel. Am darauf folgenden Tag war ein letztes Mal Füttern angesagt, die restlichen Bestände zu versenken und zu hoffen, dass die Jungs nach den fallenden Temperaturen endlich in Fresslaune waren.

 

(Manchmal muss man sie eben überzeugen zu fressen. )

 

Ein letztes Mal war es Freitagnachmittag und ich schulterte mein Tackle und machte mich auf zu meinem Platz für die letzte Saison dieses Jahres an diesem See. Das Tackle war schnell aufgebaut, die Ruten beködert und alles an seinem Platz. Das Warten konnte beginnen. Grässlich pfiff der Wind aus Osten, nicht gerade die besten Voraussetzungen für die letzte Saison. Die Laune besserte sich auch nicht gerade als der einzige Fisch, der sich meldete nach kurzem Spurt wieder ausstieg. Wieder einmal ertönte mein Wecker der mir erneut die Nachricht verkündete: „Ruten raus, warten bis morgen früh‘‘.

 

Der Nächste morgen fing genauso unspektakulär an wie der vorherige Tag aufhörte, doch die Stimmung stieg. Es fing an zu Regnen und der Wind hatte über Nacht auf Westen gedreht. Motiviert zog ich nun die letzten Trümpfe aus dem Ärmel und setzte alles auf das Attraktoren-Paket, dass ich erst vor kurzen vom Meister geordert hatte. Ich beschloss eine der beiden Ruten mit einem Weightless Hookbait und einen halben White Ligthning zu bestücken und unter den Baum zu legen. Die zweite Rute versehrte ich mit zwei Weightless Hookbaits und überzog diese mit ordentlich Incubator.

 

(Auf ihr ruhte die letzte Hoffnung.)

 

(Endlich wurde ich erlöst und dann noch von so einem geilen Teil.)

 

Meine Sturheit und das Vertrauen in die guten Köder aus dem Hause Naturebaits wurde ein weiteres Mal belohnt. Zwar fing ich nicht die Top-Fische des Sees, aber die beiden konnten Kracher sich echt sehen lassen und mein Oktober war doch noch gerettet.

 

(Bis fünf Minuten vor dem Einpacken ließ er mich warten. )

 

Gruß Tom

 

 

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