Sonne, Kröten und zuviel Arbeit... (von Jan Brauns)

(Einfach mal abhausen war die Devise)

 

Viel zu lange habe ich nichts von mir hören lassen. Doch woran lag es? Ich habe einfach dermaßen viel mit der Firma zu tun, dass mein Angeln komplett auf der Strecke geblieben ist. Es ist grausam einen milden Winter zu erleben, aber durch die ganze Organisation der Messen und Dinge die da wichtig sind, einfach keinen freien Kopf für das Angeln mehr zu haben. Ein guter Ratschlag: Wenn ihr das Karpfenangeln liebt macht keine Boiliefirma auf. Dann ist es ein für alle Mal vorbei mit der großen Freiheit am Wasser. Der Kunde ist König und bei uns erst recht. Ich kann auch gar nicht mit gutem Gewissen am Wasser sitzen und auf dem Schreibtisch türmt sich die Arbeit.

 

Auch ein weiterer Nebeneffekt gesellt sich dazu: Rede den ganzen Tag nur übers Angeln und die Lust vergeht wie von selbst – zumindest Teilweise. Aber eines ist durchaus lustig. Die Geschichten vom Wasser gleichen sich verteilt über Deutschland sehr. Wer wieder auf wessen Platz geangelt hat oder welcher Karpfen so und so groß geworden ist. Auch gerne besprochen: Wer ist der böse Bube, obwohl der ja nichts anders gemacht hat als der Rest der Anglerschaft. Naja es ist schon amüsant.

 

(Der Resteeimer gibt allerlei Schätze her)

 

Doch zurück zur eigentlichen Geschichte. Es kam wie es kommen musste, nichts passte perfekt aber eine perfekte Wetterlage tat sich auf. Kühles Wetter mit Nordostwind, abgelöst durch warmen Südwind und Temperaturen bis 20°C Grad. Das Ganze noch von Mittwoch auf Donnerstag, innerhalb von Sekunden war die Entscheidung gefallen. Ich mache meine erste Nacht 2014. Freitagmittag könnte ich wieder in der Firma sein und die emporlodernden Flammen in Form von Arbeit notdürftig ablöschen. Würde ich eben Freitag länger machen und auch am Samstag mal etwas erledigen. Aber es würden mir immerhin zwei Nächte und ein Tag zur Verfügung stehen mal komplett abzuschalten. Leider hatte ich mein Angelauto mit Kescher, Abhakmatte, Kopflampe, Groundbaiter & Co drin einem Bekannten mitgegeben, der einiges daran reparieren sollte.

 

Also musste ich mir im Angelladen noch diverse Sachen neu kaufen, aber das war mir mein erstes Nächtchen wert. Da ich noch einen Kescherstab und ein Keschernetz im Keller hatte, kaufte ich mir nur ein neues Kreuz. Leider passte keines meiner vielen Netze in das Kreuz. Also musste ich meinen kurzen Stab mitnehmen auf den ein passendes Kreuz geschraubt war, das sich aber nicht mehr abschrauben ließ. Verschraubung verkniessknaddelt. Es fing schon fängig an. Die alte viel zu kleine Matte, der kurze Kescherstab… es konnte nur fängig werden. Boilies hatte ich auch keine mehr (die schönen Tüten aus dem Regal aufzureißen, dazu bin ich zu geizig) also nahm ich einen der Resteeimer mit, darin ein buntes Sammelsurium der vergangenen Rollaufträge. Red Faktor + Boilies, Faktor P Boilies, Bloody Liver Boilies, Dickenmittel, GLM Boilies – alles in Größen von 14mm Aufwärts. Passt doch. Kann ich mal sehen was ich den Leuten so rolle und ob’s auch was fängt.

 

(Auf dem Weg zum Wasser kann es nicht schnell genug gehen - ein Flugzeug muss her...)

 

Nachdem der GLS Fahrer da war, machte ich mich um 15.00 Uhr auf nach Hause die restlichen Sachen holen. Das ist dann immer besonders nervig, jeder Autofahrer vor mir ließ es heute besonders langsam angehen. Und der Bus fuhr auch noch vor mir her. Irgendwann hatte ich es dann geschafft und stand am Angelplatz. Ich hatte mir extra eine Stelle ausgesucht an der ich leicht einen Flachwasserbereich zwischen zwei Inseln anwerfen konnte. Hier hatte ich vor vielen Jahren schon gut im zeitigen März gefangen und warum sollten die Fische heute nicht mehr dort sein.

 

Das Wasser war in dem Bereich nur eineinhalb Meter tief und der milde Wind blies genau in die Ecke meiner Wahl. Der Boden des Sees ist an der dieser Stelle extrem dunkel und leicht mulchig. Die Sonne erwärmt das Wasser dort besonders gut und ich versprach mir, das die Karpfen mit Einbruch der Dunkelheit sicher mal dort vorbei schauen würden. Denn schließlich finden sie dort auch am ehesten natürliche Nahrung, denn alles was kreucht und fleucht wird vom wärmeren Wasser angezogen.

 

(Dunkler Boden, laichende Kröten, flaches Wasser. Ufernah. So sah mein Spot aus)

 

(Unter Wasser Wurzeln, über Wasser ein Ast. Solche Stellen steuern die Karpfen gerne an. Besonders im zeitigen Frühjahr)

 

(Weidenkätzchen und die ersten grünen Blattspitzen der Weide. Es ist angerichtet...)

 

(Es ist immer wieder schön wenn die Ruten liegen. Diese Spannung in der Luft...)

 

Nachdem die Ruten lagen verteilte ich mit dem Wurfrohr einige Boilies über meinen Montagen. Ich benutze für alle Situationen ein 30mm Wurfrohr. Sollten meine Boilies mal etwas deformiert sein, was bei der halbmechanischen Herstellung immer mal vorkommt, kann ich diese auch noch problemlos füttern. Aber auch mehrere 14mm Boilies lassen sich schön damit streuen. Zum Schluss fütterte ich noch ein paar Teigballen zu meinen Montagen, dann setzte ich mich auf meinen Stuhl, schloss die Augen und atmete einfach nur tief aus.

 

Ich hatte es geschafft. Meine erste Nacht 2014 brach an. Nach einem kühlen kleinen Bierchen legte ich mich auf die Liege und lauschte in die beginnende Nacht. Der Frühling war da. Die Kröten paarten sich, die Enten stritten mit den Gänsen und dem Schwan um die Insel und im Flachwasser konnte man bereits erste Bewegungen sehen. Auch dort wo meine Montagen lagen. Ich hatte Hoffnung im Bauch dass etwas gehen könnte. Dann schlief ich ein.

 

(Kunterbuntes Durcheinader aus dem Hause Naturebaits und von mir selbst gerollt... ganz Geil oder?)

 

(Meine Lieblingskombination. Dickenmittel Teig oder Boilieteig. Kann jeder selbst aus Boiliemix anmischen. Kein Hexenwerk - nur etwas klebrige und stinkige Finger gibt's)

 

(Die Kröten lassen sich nicht stören... )

 

Es war so gegen 0.00 Uhr als mich ein langsamer Biss aus dem Schlaf riss. Jawohl es war die Rute die ganz nah am Ufer im Flachwasser lag. Und es war definitiv ein Karpfen der da am anderen Ende dran hing. Langsam pumpte ich ihn zu mir und er ließ sich heranziehen. Nur leider so, dass er immer dichter ans Ufer kam. Da ich fast parallel zum Ufer angelte bemerkte ich nicht dass meine Schnur irgendwann wie Flachenzug über einen langen toten Ast ging, der da aus dem Ufer ins Wasser ragte. So ein Mist dachte ich, da hast du aber nicht aufgepasst.

 

Hätte ich die Rutenspitze ins Wasser gehalten wäre das nicht passiert. Was tun? Der Fisch plantschte an der Oberfläche unter dem Ast und ich wusste das es nur eine Lösung gab. Ich musste zu ihm oder mein erster Karpfen 2014 würde sich verabschieden. Also kämpfe ich mich durch das dornige Unterholz am Ufer entlang bis auf die Höhe des Astes. Ich musste rein in die Brühe. Hose aus, Crocks wieder an und ran an den Ast. Ich versuchte den Ast abzubrechen, meine Schnur mit Karpfen dran war ungefähr zwei Meter von mir entfernt. Aber dort konnte ich nicht mehr stehen und bei 7°C schwimmen ist nicht so ganz meins. Ich zerrte und schüttelte am Ast und irgendwann knackte er an. Ich konnte ihn zu mir ziehen und bekam meine Schnur zu fassen. Einen Kescher hatte ich in dem Gestrüpp erst gar nicht mitgenommen.

 

Ich zog den braven Karpfen mit der Schnur zu mir und fing ihn mit der Hand ein. Es war kein schlechter Fisch – alter Vater – den musst du bekommen dachte ich mir. Ich drückte den Fisch ins Schilf und hakte die Montage aus. Dann trug ich ihn, so wie man einen Karpfen hält, durchs Unterholz zurück zu meinem Angelplatz. Dort packte ich den Fisch erstmal in die Floatingmatte und sammelte meine Gedanken. Erst jetzt fiel mir auf das meine Jogginghose komplett nass war, mein Pulli vom feinsten eingeschleimt und ich zerkratzt und zerschrammt von den Dornen war. Der Fisch hatte mich mehr Nerven gekostet als alle in 2013 zusammen. Wechselklamotten hatte ich keine dabei, also hieß es die Hose und den Pulli trockenschlafen… ABER ich hatte ihn gefangen, meinen ersten Karpfen 2014 und er ließ die 20 Kilo Marke weit hinter sich.

 

(Zwischengeparkt...)

 

(Tja da geht's nicht weiter)

 

(Dickes Schuppentier - 22,5 Kilo... Selbstauslöser und Segelohr. Geht doch... Weightless Dickenmittel am Haken war wieder mal Programm)

 

(Und sein buckliger Schwippschwager... weightless GLM Liebhaber.. )

 

(Auf diese Nacht ein Jägertopf...)

 

In dieser Nacht biss leider kein weiterer Karpfen, einen fing ich dann noch in der Mittagszeit. Dann war es auch schon schnell Freitag und die Sonne wurde von Wolken und Regen abgelöst. Auch bahnte sich der nächste Temperatursturz an und ich widmete mich wieder der Arbeit – denn es steht ja noch die Messe Speyer vor der Türe.

 

Viele Grüße aus der Boilieküche,

jan

 

 

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