Cassien im November (von Fabian Reichstein)

(Wenn die Berge weit in der Ferne weiße Spitzen tragen kehrt Ruhe ein)

 

Die im Internet kursierenden Gerüchte über ein komplettes Nachtangelverbot für 2013 veranlassten mich dazu, meinen Jahresabschlusstrip am Cassien zu verbringen. Ich wollte und musste noch einmal diesen See befischen, auch als mein Angelpartner absagte war das kein Problem, so trat ich Ende November die lange Reise alleine an…

Die Vorfreude und Erwartungen waren groß, doch die Ernüchterung kam mit der Ankunft! Schon beim Ausladen an der Rampe erzählte mir ein Franzose, dass seit fast einer Woche nichts mehr gefangen wurde… Ich entschied mich zuerst für einen guten Platz am Anfang des Nordarms, die großen Krautfelder vor dem Platz hatten mein vollstes Vertrauen  und brachten mir in der ersten Woche zwei gute Karpfen. Bei Gesprächen  mit meinen Nachbarn stellte sich heraus, dass es wirklich schlecht lief! Beide waren seit fast 2 Wochen am See, einer bis dato blank, der andere hatte lediglich drei kleine fangen können. Auch die Wetterkapriolen trugen nichts dazu bei, die Stimmung zu steigern, so gab es vor allem Gewitter, Sturm, Mistral, Regen und tagelanger Dauerregen und trotzdem wollten die Karpfen einfach nicht fressen.

 

(Um diese Zeit muss für jeden Fisch hart gearbeitet werden - nur um diese Zeit?)

 

Nach sechs Nächten movte ich dann doch mal, zuerst Mitte Nordarm, danach in den Südarm, es lief nirgendswo und man hörte noch nicht mal Fische springen. Ich beschloss die letzten vier Nächte wieder im Nordarm zu verbringen, ich hatte sogar freie Platzwahl da sich das Feld der Mitangler stark gelichtet hatte, aber mein Gefühl sagte mir das ich es noch einmal auf meinem alten Platz versuchen sollte, so saß ich nun wieder da, wo alles begann. Als dann am 2. Abend endlich mal wieder eine Rute ablief war ich mehr als glücklich, und als ich den Fisch im Kescher hatte, da erst recht :-)

 

(Mehr geht nicht...)

 

Als ich vor ein paar Jahren Bernadette fing, war ich mir ziemlich sicher, dass ich wahrscheinlich keinen weiteren 60er mehr fangen werde… und dann so was! Am selben See aber zum Glück ein anderer Fisch! Es sind diese Geschichten die dieser See schreibt, die dem Cassien seine Magie verleihen und zu diesem besonderen Gewässer gemacht haben… Du verfluchst ihn, du liebst ihn, man ist unglücklich und wird innerhalb kürzester Zeit zum glücklichsten Menschen auf der Welt, mal gibt es Massenfänge und mal muss man um jeden Fisch hart kämpfen, selbst in den schlechten Phasen fährt man jeden Tag aufs Neue seine Ruten mit vollem Elan raus, obwohl eigentlich klar ist das es sich nicht lohnt und doch kommt irgendwann der Tag, wo sich alles zum Guten wendet… Und dann steht man im Boot mit zitterigen Knien! Unzählige Freundschaften wurden am Cassien geschlossen, die sowohl Jahre, als auch große Entfernungen überdauern und selbst wenn man nicht in Kontakt bleibt, läuft man sich komischerweise doch irgendwann wieder an seinen Ufern über den Weg…

 

(Das sind diese Abende, an die man sich von zu Hause aus gerne erinnert...)

 

Es gibt so viele Geschichten die an diesem See passiert sind, sowohl glückliche, als auch wahre Tragödien, doch sie alle haben den Lac de St.Cassien zu diesem mystischen Kultgewässer gemacht! Es wäre echt schade, wenn diese Ära nun wirklich zu Ende sein sollte! Jeder der weiterhin den See besuchen möchte, sollte sich vernünftig benehmen… Man muss nicht seine Ruten auf riesen Flächen und Distanzen verteilen, jeder kann Sorge dafür tragen das die Angelplätze sauber bleiben und die Einheimischen Normalangler sollten mit Höflichkeit und Respekt behandelt werden!

 

(Lonley Camp...)

 

Einen besonderen Dank möchte ich noch Jasmin und Andre aussprechen… Danke für die tolle Zeit, die Linzer Torte und vor allem für die Fotos und Videos vom Karpfen!

 

Ansonsten wünsche ich allen Kunden und Besuchern von Naturebaits ein frohes neues Jahr…

 

Fabian Reichstein