Winterjacken

18 Grad zeigt mir das Display im Auto…unfassbar, im Januar sind wir noch von Schneemassen erdrückt worden und jetzt süd-west Wind mit solchen Temperaturen. Es ist der Startschuss zu der Saison 2011!

Die dicke Winterjacke einpacken? Ich überlege kurz und lasse sie im Keller hängen. Man muss Zeichen setzen und das ist meins an den Winter: Weg mit dir! Auch wenn ich mich dafür um 3h heute Nachte verteufeln werde.

Es ist wie jedes Jahr: Für die ersten Sessions des Jahres packt man wieder viel zu viel Kram ein. Als ob man in den 2-3 Monaten Pause alles aus dem Vorjahr vergessen hat. Im November kam ich noch mit einer halben Gaskartusche und 1,5l Wasser (zum kochen) aus und jetzt fängt man an zu krübeln...doch noch eine Ersatzkartusche, lieber den 5 Liter Kanister Wasser und schon ist die Karre voll bis an den Rand. Bis zum Saisonende hat sich der Trödelmarkt wieder extrem reduziert und dann fängt das Dilemma ein paar Monate später wieder von vorne an. Der Frühling kommt,wie jedes Jahr.

Für dieses Session bin ich an mein Hausgewässer gefahren. Ca. 20ha und durschnittlich 10m tief – nicht gerade die Kriterien, welche im Frühjahr für sicher Fänge stehen. Aber gerade ein solches Gewässer macht es einem einfach. Meisten gibt es nur wenige Flachwasserzonen und hier meine ich alles flacher als 3m. Diese sind jetzt die Hot-Spots. An diesen Stellen tümmeln sich jetzt die Karpfen und hoffen, das wir sie nicht finden. So ähnlich sieht der Spot aus, den ich 2 Mal vorgefüttert habe. Links 3m und rechts 2m tief. Ich würde die Ruten gerne noch flacher ablegen, aber das Holz im Wasser macht mir einen Strich durch die Rechnung. Nicht ganz, denn das Holz ist ein Frühjahrs-Magnet für die Fische, wenn Sie sich nicht schon den ganzen Winter unter der schützenden Unterwassholzhütte aufgehalten haben. Als Futter hab ich je einmal 1,5kg ProNature GLM Boilies in 20mm und P-Mix Boilies in 14mm gefüttert.

Beim Aufbau merke ich wieder, was wir uns für eine kleine, unkomplizierte und kurze Nacht so antun. Ich muss 4 Mal zum Auto rennen bis alles am Ufer liegt. Die fehlende Routine schlägt auch prompt beim Aufziehen der Köder zu: Boilienadel Nr. 1 abgebrochen! In der frühen Saison hat man ja alles zweimal dabei. Boilienadel Nr. 2 abgebrochen. Mit meinen Nutdrill und extremen chirugischen Fingerfeingefühl schaffe ich es ohne Boilienadel die Köder aufzuziehen.

Ein Teil meines Hirns hofft, dass sich diese Prozedure nicht oft wiederholt – dem anderen Teil ist es egal – er will Fisch fangen.

Unschlagbar, im Frühjahr bunte Popups. Meine Lieblinge: die 12mm Green Lightning Poppis. Ein 20mm Knödel und 12mm Poppi und man hat einen Zwitter zwischen Doppelboilie und der heinzischen Brassenbeköderung, dem Einzelboilie.

Als der ganze Schlamassel steht, die Ruten akkurat und schön paralell aufgebaut sind, finde ich doch wirklich einen Hauch Frankreichurlaub in meiner Tasche. 2 Flaschen Pffft (das ist das Geräusch beim Öffenen einer Kronenbourgflasche). Der Abend ist einfach unbeschreiblich entspannend. Das Pffft schmeckt und ich überlege sogar kurz mein T-Shirt auszuziehen und dem sonnenlichtarmen Körper etwas Licht zu spenden. Als die Sonne untergeht wird mir schnell klar, dass wir noch Mitte März haben. Das Bild der Winterjacke im Keller kriecht auf einmal durch meine grauen Zellen.

3h der erste Biss. Die 2m Rute. Ein Schuppi mit 8kg gibt sich schnell geschlagen. Ein Bild und genaues Wiegen mache ich nicht, denn ich denke nur an diese Winterjacke – die ich so überheblich „hängengelassen“ habe.

Auf einmal gibt es einem lauten Knall – Ich bin hellwach und prompt rieselt es irgendein Zeugs auf mein Zelt und die Ruten. Die Jäger sind unterwegs und stellen den schwazen Luftratten nach. Ein kurzer netter Plausch mit dem Waidmann und ich darf die schwarzen Viecher mit dem Boot aus dem Wasser holen. Bääh, ähhh, hässlich die Dinger.

Kaum ist der gute Herr mit seiner Beute weg und ich hab mein Invader I Boot von allen möglichen Körperflüssigkeiten (der Vögel) gesäubert. Läuft die 3m Rute.

Ab jetzt gehts es im 30 Minuten Takt. Links, rechts. Als ich gegen 13h zusammenpacke, habe ich ganze 8 Fische auf der Habenseite. Der letzte Fisch, ein Klon des ersten, beschert mir den ersten 30+ des Jahres 2011. Alle Fische haben auf die gelbe und grüne Popups mit einem Sinker gebissen. Das nächste Mal werde ich einen Workshop veranstalten mit dem Titel: Mein Leben ohne Boilienadel oder Boilienadel, das unbekannte Wesen.

Das Frühjahr...die schönste Zeit des Jahres. Auf dem nach Hause Weg fällt mir auf, dass ich sehr viel öfter als nötig einen Schulterblick riskiere. Es muss wohl daran liegen, dass auch die Weibchen ihre Winterjacken im Keller hängen gelassen haben...

Peter Schwedes  

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